Erster Stolperstein für Euthanasie-Opfer Alfred Rapp

Alfred Rapp, von den Nazis ermordet am 31. Mai 1940, ist das erste Euthanasie-Opfer, dem in Kehl mit einem Stolperstein gedacht werden wird. Gunter Demnig, Künstler und Initiator der Stolpersteinaktion, wird ihn persönlich am Donnerstag, 28. März, um 13.30 Uhr in der Hauptstraße verlegen, dort, wo der Sohn des Bäckers David Rapp II und Salomea Rapp seinen letzten Wohnsitz hatte.

63 Stolpersteine sind in Kehl zum Gedenken an jüdische Opfer der Nazi-Diktatur ins Pflaster eingelassen – mit dem 64. wird der erste Stolperstein an einen Menschen erinnern, der wie 10 653 andere Patientinnen und Patienten, die psychisch krank oder geistig behindert waren, in der Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb durch Gas ermordet worden ist. 28 Opfer aus der Kernstadt und 13 aus den Ortschaften hat Archiv- und Museumsleiterin Dr. Ute Scherb bei ihren Nachforschungen bislang gefunden.
Eines davon ist der am 10. Januar 1888 in Dorf Kehl geborene Alfred Rapp. Unmittelbar nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der 26-Jährige in das Infanterie-Regiment Nummer 170 eingezogen. Er kämpfte an der Westfront, wo er schon am 8. September 1914 als vermisst gemeldet wurde. Alfred Rapp wurde verwundet gefunden und befand sich mindestens bis November 1914 in einem Lazarett. Welche Verletzungen er erlitten hatte, ist nicht bekannt, doch wurde er körperlich offenbar soweit wieder hergestellt, dass er zurück an die Front geschickt werden konnte. Im Oktober 1918, kurz vor Kriegsende, galt Alfred Rapp erneut als vermisst, tauchte erneut wieder auf und befand sich bis 1920 in einem Lager für Kriegsgefangene.

(von links) Günter Rapp, Uli Hillenbrand, Leiter der Zeitzeugen-AG am Einstein-Gymnasium, Archiv- und Museumsleiterin Ute Scherb sowie Betriebshofmitarbeiter Andreas Schulz bereiten gemeinsam die Stolpersteinverlegung vor.zoom

Offenbar kehrte er schwer traumatisiert nach Hause zurück. Wie es ihm in den Jahren danach erging, darüber konnten Ute Scherb und Uli Hillenbrand, Leiter der Zeitzeugen-AG am Einstein-Gymnasium, bei ihren Recherchen keine Informationen finden. Von Beruf war er Kaufmann, ob er als solcher wieder arbeiten konnte, ist auch der Familie nicht bekannt. Die nächste Spur von ihm findet sich in den Akten der Pflegeanstalt Rastatt, die 1934 gegründet worden war, um die vier badischen Anstalten zu entlasten, die ständig überbelegt waren. In Rastatt war Alfred Rapp spätestens seit Mai 1938 untergebracht. Ob er von Kehl aus dorthin gebracht wurde oder vorher bereits in einer anderen Pflegeanstalt war, ist unklar.
Sicher ist indes, dass alle Patienten aus Rastatt im September 1939 nach Zwiefalten evakuiert wurden. Dort fuhren am 31. Mai 1940 die berüchtigten grauen Busse vor und brachten Alfred Rapp zusammen mit mehr als 70 anderen Kranken nach Grafeneck, wo sie alle noch am selben Tag durch Gas ermordet wurden.
Wie bei den meisten dort Ermordeten wurde auch bei Alfred Rapp das Todesdatum gefälscht. Im Geburtenbuch von Dorf Kehl steht als Randvermerk neben seinem Namen: „gestorben am 12. Juni 1940 in Grafeneck (Kreis Münsingen)“. Wer offiziell in Grafeneck gestorben ist, „war Euthanasie-Opfer“, weiß Ute Scherb, „denn dieses Standesamt war Teil der Mord-Maschinerie dort“. Alfred Rapps Sterbedatum wurde – wie das vieler anderer Opfer auch – absichtlich gefälscht; zum einen, um das Verbrechen zu verschleiern, zum anderen, um den Kostenträgern noch über Tage und Wochen Rechnungen für Quartier, Kost und Pflege schicken zu können. Die Mordopfer wurden posthum noch benutzt, um Kasse zu machen.

29.01.2019

 

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