Möglicher Beitrag zum Klimaschutz: Mit Abwasserwärme neue Baugebiete heizen

Welches Potential kalte Nahwärmenetze für die städtebauliche Entwicklung bieten, haben die Mitglieder des Arbeitskreises Energie und Klimaschutz bei ihrem Treffen im Bürgersaal des Rathauses von Stefan Schlachter von der Energiedienst AG erfahren. Ulrich Rochard vom Büro ebök Planung und Entwicklung GmbH zeigte anschließend auf, ob sich die Investition in Nahwärmenetze auch trotz des angestrebten Passivhausstandards und des immer geringeren Wärmebedarfs lohnt. Klimaschutzmanagerin Lea Unterreiner und Energiemanagerin Eva-Maria Löhrmann stellten dem Arbeitskreis zudem vor, an welchen Projekten in Sachen Klimaschutz und Energiemanagement sie im vergangenen Jahr gearbeitet haben.

Um die Energieeffizienz der Wärmeversorgung zu erhöhen, sei die Falkenhausenschule mitsamt der zugehörigen Turnhalle und die Mediathek in ein Nahwärmenetz integriert worden, das die Gebäude von der Stadthalle aus mit Wärme versorge, berichtete Energiemanagerin Eva-Maria Löhrmann den Mitgliedern des Arbeitskreises. In einem Nahwärmenetz wird die benötigte Energie zentral bereitgestellt und an mehrere Gebäude verteilt. Überflüssiges Heizen, wie beispielsweise während der Ferien oder an den Wochenenden, kann durch den Einbau moderner Regelungs- und Gebäudeleittechnik vermieden werden. Dieselbe energiesparende Art der Heizungssteuerung wurde seit 2016 auch schon in der Albert-Schweitzer-Schule, der Kindertageseinrichtung Sundheim, der Grundschule und der Mehrzweckhalle in Kork sowie der ehemaligen Werkrealschule und der Mehrzweckhalle in Bodersweier eingeführt.

Die Photovoltaik-Anlagen, die in den vergangenen Jahren auf Kehler Gebäuden installiert wurden, haben eine Leistung von mehr als 25 MWp (Bezeichnung für elektrische Leistung von Solarzellen) – damit könnten etwa 6500 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden.zoom

Nur 12 MWp fehlen, um das in der Klimaschutzkonzeption verankerte Ziel zu erreichen.

„Die Photovoltaik-Anlagen, die in den vergangenen Jahren auf Kehler Gebäuden installiert wurden, haben eine Leistung von mehr als 27 MWp (Bezeichnung für elektrische Leistung von Solarzellen) – damit könnten etwa 6500 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden“, erklärte Lea Unterreiner. Die Stadt versuche mit verschiedenen Angeboten, noch mehr Bürgerinnen und Bürgern das Thema Solarenergie näher zu bringen. Auf diese Weise solle das in der Klimaschutzkonzeption verankerte Ziel – eine installierte Gesamtleistung von 39 MWp – bis 2030 erreicht werden. Eine der Initiativen der Stadt sei beispielsweise das Förderprogramm zur CO2- und Energieeinsparung für Privathaushalte. Seit 2017 würden im Rahmen dieses Programms neben Sanierungen und energiesparenden Heizanlagen auch Photovoltaikanlagen gefördert. Dieses Angebot werde gut angenommen, meint die Klimaschutzmanagerin. So sei im vergangenen Jahr eine Fördersumme von insgesamt 28 000 Euro zusammengekommen.
Auch die Stadt selbst gehe hier mit gutem Beispiel voran, erläuterte Eva-Maria Löhrmann. So prüfe man derzeit, ob das Pumpwerk im Schuttermühlkanal und der Neubau der Josef-Guggenmos-Schule mit Photovoltaik-Anlagen versehen werden könnten und ob es möglich sei, die Anlage auf dem Dach der Mehrzweckhalle in Auenheim zu vergrößern.

Alle städtischen Gebäude werden mit zehn Prozent Biogas beliefert.

Außerdem wurden die Heizungsventile in den Gemeinschaftsbereichen nahezu aller Schulen und Hallen ausgetauscht und durch sogenannte Behördenventile ersetzt, bei denen die Heizstufe nur vom Hausmeister eingestellt werden kann. Dies soll verhindern, dass beispielsweise Flure, Abstell- oder Umkleideräume überheizt werden. In der Tulla-Realschule wurde zudem eine Solarthermieanlage für die Warmwasserbereitung in Betrieb genommen und seit Anfang Januar 2019 werden alle städtischen Gebäude mit zehn Prozent Biogas beliefert.
Zusammen mit den Integrationsbeauftragten der Stadt Kehl und dem Diakonischen Werk Kehl erarbeitete der Bereich Stadtplanung/Umwelt darüber hinaus ein interkulturelles Informations- und Beratungsangebot zu alltäglichen Klimaschutzthemen für private Haushalte mit Migrationshintergrund. Geflüchtete können dabei den sparsamen Umgang mit Strom und Wasser erlernen, um zu vermeiden, dass sie durch hohe Nebenkostenabrechnungen Schulden anhäufen. Darüber hinaus sollen die Energiespar-Helfer ihren Landsleuten die richtige Mülltrennung vermitteln. Ziel der Beratung ist es, dass mehr Familien mit Migrationshintergrund umweltfreundlicher und nachhaltiger wirtschaften.

Um in der Öffentlichkeit Veranstaltungen besser bewerben zu können, hat der Bereich Stadtplanung/Umwelt ein einheitliches Design der Plakate erarbeitet. zoom

Festival hat alle Erwartungen übertroffen

„Wir wollen mit dem Projekt Sprachbarrieren im Klimaschutz abbauen“, sagte Lea Unterreiner, deren Jahr mit dem grenzüberschreitenden Klimaschutz-Festival Eco2Rives – grün und grenzenlos, das die Stadt Kehl gemeinsam mit dem französischen Umweltverein Zéro Déchet Strasbourg und der Volkshochschule Ortenau organisiert hat, intensiv begonnen habe: „Das Festival hat mit mehr als 900 Besuchern alle Erwartungen übertroffen“, freute sich die Klimaschutzmanagerin und berichtete, dass die Besucherinnen und Besucher bei einigen Fachvorträgen sogar auf dem Boden gesessen hätten, um zuhören zu können.
Erfolgreich sei auch die vergangene UFO-Saison gewesen, merkte sie an. Fast 6000 Besucherinnen und Besucher hätten das unbekannte Forstobjekt aufgesucht, um sich Ausstellungen zum Klimaschutz anzuschauen. 2019 werde sich passend dazu alles rund um den Flächen- und Ressourcenverbrauch drehen.

Nahwärme oder Passivhaus – Entscheidung hängt vom Wohnort ab

Wie ein Neubaugebiet mithilfe von erneuerbaren Energiequellen wie Luft, Erde oder Wasser – der sogenannten kalten Nahwärme – geheizt werden könnte, stellte Stefan Schlachter dem Arbeitskreis anhand des Beispiels der Stadt Schallstadt vor. Dort wird das Nahwärmenetz mit Abwasser betrieben, welches ansonsten ungenutzt ins Klärwerk abfließen würde. Das Nahwärmenetz stellt die Wärmequelle dann den ans Netz angeschlossenen Häusern zur Verfügung. Eine Wärmepumpe im Keller jedes Hauses komplettiert die Anlage, mit der – abhängig von der Wärmequelle – laut Schlachter unter Umständen das zehnfache an Kilowattstunden Wärme gewonnen werden könne, als mit herkömmlichen Heizungsanlagen.
Das Problem bei dieser innovativen Heiztechnik: Es müssen genügend Abnehmer vorhanden sein, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten. Dies sei vor allem in ländlichen Gebieten mit ihrer geringen Bebauungsdichte schwierig zu bewerkstelligen, merkte Ulrich Rochard an. Zur netzgebundenen Wärmeversorgung in solchen Gebieten müsse darum häufig ein anderer Lösungsansatz her. Eine Möglichkeit ist der Passivhaus-Standard. Diese Häuser seien energieeffizient, komfortabel, wirtschaftlich und umweltfreundlich und zeichneten sich insbesondere durch einen geringen Heizwärmebedarf und einen hohen Nutzerkomfort aus, wie Ulrich Rochard erläuterte. Nahwärme ist darum seiner Ansicht nach vor allem in einem Gebiet mit ausreichender städtebaulicher Dichte wirtschaftlich – in diesem Fall aber selbst dann, wenn dort mit einem geringen Energieverbrauch wie im Passivhaus zu rechnen ist. Allerdings sei die Wirtschaftlichkeit jeder Heiztechnik generell immer von Gebiet, Anschlussbedingungen und der Dimensionierung des Wärmenetzes abhängig, fasste er als Fazit zusammen.

Info:
Der Arbeitskreis Energie und Klimaschutz unter Leitung von Baubürgermeister Harald Krapp trifft sich zweimal pro Jahr. Mitglieder sind Stadträte, Mitarbeiter der Verwaltung sowie Vertreter der Bürgerinitiative Umweltschutz und der BürgerEnergiegenossenschaft Kehl.

31.01.2019

 

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