100-prozentige Erfolgsquote bei frisch gepflanzten Bäumen in Kehl: Alle 475 erfolgreich angewachsen

Noch sind sie jung und recht klein, doch schon jetzt sorgen sie für bessere Luft und ein angenehmeres Klima: Insgesamt 475 neue Bäume wurden in den vergangenen zwei Jahren im gesamten Stadtgebiet gepflanzt – dem gegenüber stehen 187 Fällungen, etwas weniger als die Hälfte davon musste im Zuge der Trambauarbeiten vorgenommen werden. In der Summe konnte die Zahl der Bäume damit um 288 Stück erhöht werden – ein Umstand, der nicht selbstverständlich ist: „Alle Bäume, die in den letzten zwei Jahren gepflanzt wurden, sind erfolgreich angewachsen. In ganz Süddeutschland kenne ich aktuell kein vergleichbares Beispiel“, freut sich Frank Wagner, Leiter des Bereichs Grünflächenmanagement beim städtischen Betriebshof.

Mehr als 50 Bäume, die wegen Bauarbeiten im Stadtgebiet weichen mussten, haben im Garten der zwei Ufer einen neuen Platz gefunden.

„Bei den insgesamt 475 neu gepflanzten Bäumen haben wir auf schädlings- und krankheitsresistente Sorten gesetzt und uns bewusst gegen Monokulturen entschieden“, erläutert Frank Wagner die Wahl der Bäume. Ebenfalls wichtig sei gewesen, dass die Bäume reizvoll für das Stadtbild seien, was Laubwerk, Blüte und Duft angehe: So wurden unter anderem Amberbäume mit seesternförmigen Blättern und Judasbäume gepflanzt, die in leuchtenden Lila- und Rosatönen blühen. Auch der Tulpenbaum ist unter den neuen Sorten vertreten. „Die gelbgrünen Einzelblüten ziehen mit ihrem süßen Duft viele Bienen an“, weiß Frank Wagner. Bei den Bäumen in der Nähe der Tramlinie habe man zudem vorrangig säulenartig nach oben wachsende Sorten ausgewählt, bei denen weniger die Gefahr bestehe, dass diese in die Oberleitungen hineinwachsen. Auch der Naturschutz sei ein wichtiger Faktor gewesen: Die gepflanzten Silberlinden sollen das sogenannte Sommerloch – das ist die Zeitspanne in der nur wenige Bäume blühen und somit nur in geringer Zahl Pollen für Bienen vorhanden sind – teilweise schließen können, da sie genau zu dieser Zeit blühten und den Bienen somit Nahrung böten.

Die Linde vor dem Rathaus I ist einer von 105 Bäumen, die in den vergangenen zwei Jahren erfolgreich verpflanzt  wurden.

Neben den neu gepflanzten Bäumen mussten auf dem Stadtgebiet in den vergangenen zwei Jahren auch 187 Bäume gefällt werden. Davon waren 105, und damit der Großteil, aufgrund von Alter, Krankheiten, Bauschäden oder Verkehrsunfällen nicht mehr zu retten. 82 Pflanzen mussten wegen Baumaßnahmen – unter anderem durch die Verlängerung der Tramlinie D – gefällt werden. „Insgesamt konnten aber weitere 105 Bäume, von denen viele im Bereich der Baufelder standen, von ihrem ursprünglichen an einen neuen Ort verpflanzt werden“, berichtet Frank Wagner.
So wurden die Platanen, die vormals entlang der B28 gestanden haben, in die Nähe des Ehrenfriedhofs, in den Garten der zwei Ufer und in die Vogesenallee umgesiedelt. Einige der Bäume aus dem Rathausumfeld konnten ins Rheinvorland versetzt werden. Die Ahorne am Läger fanden am Spielplatz Kleinriedle, am Kindergarten Niedereich und in der Vogesenallee ein neues Zuhause. Die Bäume vor dem Rathaus Kork siedelten die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs auf dem neuen Albert-Schweizerplatz in Kork an.

Erfolg der Pflanzaktionen durch Substrat und Camelbags

Doch wie wird entschieden, ob man einen Baum ausgraben und an einer anderen Stelle wieder einpflanzen kann? „Wir schauen uns im Vorfeld genau an, ob die Pflanzen kräftig genug sind, um die Umsiedlung unbeschadet überstehen und am neuen Standort wieder gut anwachsen zu können“, beschreibt Frank Wagner das Vorgehen. Weiterhin dürfe der Baum höchstens 1,20 Meter Umfang haben, damit das Stechgerät, mit dem die Bäume aus dem Boden geholt werden, diese auch greifen könne. Dass sowohl die 105 umgepflanzten als auch die 475 neu gepflanzten Bäume allesamt erfolgreich angewachsen sind, ist allerdings keine Selbstverständlichkeit: „Bei dieser hohen Zahl an gepflanzten Bäumen rechnet man normalerweise mit einem Ausfall von etwa 20 Prozent “, weiß Frank Wagner. Den Erfolg der Pflanzaktionen sieht er zum einen in dem eingesetzten Substrat. Hier habe man im Vorfeld mit verschiedenen Mischungen experimentiert und sich dann schlussendlich für die Variante entschieden, bei denen sich die besten Resultate gezeigt hätten. Aber auch die Camelbags hätten ihren Teil zum Erfolg beigetragen. Dabei handelt es sich um grüne Plastiksäcke, die um den Stamm der Pflanze gelegt und mit 60 Litern Wasser befüllt werden. Nach und nach ergießt sich dieses dann in die Pflanzgruben, so dass auch in Trockenperioden eine regelmäßige und ausreichende Bewässerung gewährleistet ist.

Im hinteren Bereich des Läger-Parkplatzes wurden insgesamt zwölf verschiedene Baumsorten gepflanzt, um einer krankheitsanfälligen Monokultur vorzubeugen.
„In den kommenden Jahren sind nach aktuellem Stand keine Fällungen oder Großbaumverpflanzungen mehr nötig“, berichtet Frank Wagner. Diese seien mit den Arbeiten rund um die Verlängerung der Tramlinie D oder anderer baulicher Tätigkeiten wie der Umgestaltung des Kulturhauses einhergegangen und nun abgeschlossen.
„Es kann aber natürlich trotzdem sein, dass hin und wieder kranke oder alte Bäume gefällt werden müssen“, betont er. Auch Stürme könnten Bäume so beschädigen, dass ihre Standsicherheit gefährdet und eine Fällung unumgänglich sei.

11.03.2019

 

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