Kommunaler Ordnungsdienst kontrolliert Gaststätten: „Wir sind auch ein bisschen Seelentröster“

Seit Mittwoch, 18. März, gilt: Sogenannte Speisegaststätten dürfen nur noch von 6 bis 18 Uhr öffnen. Die aktuelle Verordnung der Landesregierung hält die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdiensts ganz schön auf Trab. Sie müssen Betreiber von Restaurants, Bistro oder Bäckereien informieren und auf die neuen Richtlinien hinweisen. Im Laufe des Mittwochs werden 32 Geschäfte zwangsweise geschlossen, die nicht den Ausnahmekriterien der Landesverordnung entsprechen.

Martin Büchele und Celine Michel sind schnellen Fußes in der Kehler Innenstadt unterwegs. Unter dem Arm: Eine Mappe mit Listen von rund 100 Speisegaststätten und mehr als 5000 Einzelhandelsgeschäften. Beide sind Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdiensts und bereits seit 7.30 Uhr im Dienst. Sie müssen im Laufe des Tages alle aufgelisteten Geschäfte, Läden, Bistros und Restaurants über die Notverordnung des Landes informieren. Nicht jeden der aufgelisteten Gaststättenbetreiber treffen sie persönlich an und wenn, reagieren diese häufig mit einer Mischung aus Resignation und Frustration. „Was gibt es denn Neues?“ Die Frage begegnet den beiden in der Regel als Erstes, wenn sie die Speiselokale betreten. In einem grünen Karton unter dem Arm trägt Martin Büchele einen Stapel Kopien der Landesverordnung. Wo er jemanden nicht persönlich antrifft, händigt er das Papier aus – verbunden mit dem Hinweis, dass Tische einzig in einem Mindestabstand von 1,5 Meter aufgestellt werden dürfen und die persönlichen Daten von Gästen aufgenommen werden müssen. Also: Name, Adresse, Datum und Uhrzeit des Besuchs. Vor Ort geben die beiden städtischen Mitarbeiter auch ganz praktische Tipps: Wie kann ich die Abstände einhalten? Wie registriere ich meine Gäste? Für Letzteres hat Martin Büchele ebenfalls einen Vordruck parat.

Die Notverordnung des Landes hält Celine Michel und Martin Büchele vom Kommunalen Ordnungsdienst auf Trab.zoom

„Die Reaktionen sind gemischt. Die meisten sind traurig oder frustriert“, resümiert Celine Michel die bisherigen Begegnungen. „In gewisser Weise sind wir daher auch Seelentröster“, beschreibt sie.
Treffen die beiden niemanden an, kleben sie die Landesverordnung prominent an die Eingangstür. In seinem kleinen grünen Karton hat Martin Büchele hierzu zwei Rollen Klebefilm. Gerade will er das Papier am Glas einer Restauranttür anbringen, als sich dahinter jemand rührt. Die Betreiberin schließt die Tür auf. Martin Büchele und Celine Michel erklären ihnen die neuen Auflagen. Die Betreiberin schüttelt den Kopf. Von 6 bis 18 Uhr zu öffnen, lohne sich für ihr Restaurant nicht.
„Diese Reaktion begegnet uns häufig“, berichtet Celine Michel. „Viele beklagen, dass Kunden wegbleiben.“ Eigentlich hätte Celine Michel an diesem Tag in Karlsruhe auf der Berufsschule sein müssen. Aufgrund der Corona-Ausbreitung sind Schulen von der Landesregierung bis zum Ende der Osterferien geschlossen worden. „Deshalb unterstütze ich die Kolleginnen und Kollegen“, erläutert sie im Gehen. „Wir haben eine Ausnahmesituation. Hier wird jeder gebraucht.“ Martin Büchele nickt bestätigend.
Dann eilen sie rasch weiter. Denn: Die Uhr tickt. Noch am selben Tag muss die gesamte Liste abgearbeitet werden. „Was wir nicht schaffen, muss die Nachtschicht erledigen“, gibt sich Martin Büchele pragmatisch. Diese beginnt ihren Dienst um 20.30 Uhr. Nachdem die beiden die Landesverordnung im Rathausumfeld verteilt haben, steigen sie in den Dienstwagen hinter der Stadtverwaltung. Denn: Nicht nur in der Kernstadt müssen Speisegaststätten informiert werden, auch in den Ortschaften. Dann brausen Martin Büchele und Celine Michel auch schon eilig davon.

18.03.2020

 

Termine

 
 

Stadtverwaltung Kehl · Rathausplatz 1 · 77694 Kehl · Tel.: 07851 88-0 · Fax: 07851 88-1102 · info@stadt-kehl.de