Weg vom Verbrennungsmotor: Unternehmer wünschen sich nachhaltige Mobilität – Werkstattgespräch mit Verkehrsplanern

Jobtickets, firmeneigene Lastenfahrräder, der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge, also die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Entwicklung der umweltfreundlichen Mobilität in Unternehmen waren Gegenstand eines Werkstattgesprächs, zu dem die Städte Kehl, Lahr und Offenburg eingeladen hatten. Im Rahmen der Erstellung der kommunalen Elektromobilitätskonzepte diskutierten knapp 40 Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region ihre Anregungen und Herausforderungen untereinander und mit den kommunalen Vertretern. Wie wichtig dieser Austausch ist, machte Offenburgs Baubürgermeister Oliver Martini gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich: „Mobilität macht an den Gemeindegrenzen nicht halt. Wir müssen zusammenarbeiten, um die Herausforderungen der Mobilität in einer wirtschaftlich starken Region bewältigen zu können.“

Grundlage für den Austausch war die Vorarbeit der mit den Elektromobilitätskonzepten beauftragten Büros Green City Experience aus München und ISME aus Stuttgart: Jessica Le Bris stellte zunächst die Auswertung der vor einem halben Jahr in den Ortenauer Unternehmen vorgenommenen Mobilitätsbefragung vor. Auffällig dabei: Der Wunsch nach einer verstärkten Nutzung nachhaltiger Mobilitätsangebote auf Arbeitswegen und dienstlich zurückgelegten Strecken ist da, dennoch kommt mit großem Abstand weiterhin das diesel- oder benzingetriebene Auto zum Einsatz.

Zum Werkstattgespräch über umweltfreundliche Mobilität hatten die Städte Kehl, Lahr und Offenburg eingeladen.zoom

Die Möglichkeiten davon wegzukommen, seien vielfältig, erklärte Jessica Le Bris. Neben finanziellen Anreizen etwa für ein Jobrad oder Jobticket sollten Unternehmen beispielsweise über das Einrichten sicherer Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, Duschen für die Rad fahrenden Mitarbeitenden und die Nutzung des Carsharing-Angebots zu dienstlichen Zwecken nachdenken. Wichtig sei vor allem, Möglichkeiten zur Beratung und zum Ausprobieren von nachhaltigen Mobilitätsangeboten anzubieten.
Wie das in der Praxis gelingen kann, stellte Stefan Faulhaber vom Finanzamt Offenburg dar. Weil für den Neubau eines Bürogebäudes 80 Pkw-Stellplätze weichen mussten, wurde ein Konzept entwickelt, dass die Mitarbeitenden heute verstärkt auf Bus, Bahn und Rad bringt, ohne dass dies als Qualitätsverlust wahrgenommen wird.

Vertreter der Kommunen tauschten sich aus über Möglichkeiten nachhaltiger Mobilität.zoom

Im zweiten Teil der Veranstaltung waren die Unternehmerinnen und Unternehmer am Zug, über Herausforderungen und Lösungsansätze im Mobilitätsbereich zu diskutieren. Die Versteuerung geldwerter Vorteile und Möglichkeiten zur Bewältigung des Liefer- und Kundenverkehrs waren genauso Thema wie der regelmäßige Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen und die Möglichkeiten, neue Mobilitätsangebote zu testen. Eine große Herausforderung für Unternehmen stellen die Kosten der Elektromobilität dar, deshalb ist es besonders wichtig, dass Fördermittel in Anspruch genommen werden können.
Wie es nun weitergeht und welche Rolle die Unternehmen bei der Mobilitätsentwicklung in der Region spielen könnten, erläuterten die Vertreter der Kommunen, die zum Austausch eingeladen hatten. Mathias Kassel von der Stabsstelle für Mobilität der Zukunft bei der Stadt Offenburg stellte den Ansatz des vernetzten Vorgehens in den Vordergrund. Genauso wie die kommunalen Verwaltungen bereits verstärkt zusammenarbeiteten, sei dies auch auf der Unternehmerebene gut vorstellbar. Matthias Kaufhold vom Bereich Stadtplanung/Umwelt der Stadt Kehl betonte, dass die Städte und Gemeinden nicht alle Mobilitätsdienstleistungen selbst erbringen, aber diese koordiniert entwickeln könnten. „Die Städte und Gemeinden sind auf Ihre Anregungen und Initiativen angewiesen“, ergänzte Verkehrsplaner Martin Stehr für die Stadt Lahr. Er rief dazu auf, bereits bestehende Unternehmertreffen verstärkt für die Diskussion von Mobilitätsthemen zu nutzen und Projekte gemeinsam zu entwickeln.

03.08.2020

 

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