Gerüchte über Grenzschließung in französischen Medien sorgen für Ausnahmezustand in Kehl

Ein Bild, wie es sich sonst in Kehl nur an französischen Feiertagen bietet: Meterlange Schlangen vor den Läden und Tabakgeschäften, unzählige Autos an Tankstellen und bis zu 100 Menschen gleichzeitig in den lokalen Drogeriemärkten: Die unterschiedlichen Informationen und Gerüchte, die französische Medien von einer bevorstehenden Grenzschließung verbreiten, führen am Donnerstag, 15. Oktober, zu Staus und Hubkonzerten auf den Straßen und zum Ausnahmezustand im Einzelhandel. Im City Center bilden sich vor dem Aufzug Menschentrauben, die bis zu fünf Minuten ausharren müssen, um mitfahren zu können. Trotz Nieselregen und Novembergrau im Oktober bewegt sich ein Meer von Menschen durch die Stadt.

Auslöser sind Berichte verschiedener Straßburger Medien, die seit Mittwochabend aufgrund der Erwartung kursieren, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) die Région Grand Est aufgrund der Entwicklung der Corona-Lage zum Risikogebiet erklärt. Obwohl das RKI bis zum späten Mittwochnachmittag dazu noch keine Erklärung abgegeben hat, schießen die Gerüchte unkontrolliert ins Kraut. Bei der Stadt Kehl ebenso wie bei der INFOBEST Kehl/Strasbourg laufen die Telefone heiß, weil vor allem Grenzpendler, aber auch Unternehmer mit Beschäftigten von der französischen Rheinseite sowie Familien, die sich auf beide Rheinseiten verteilen, auf der verzweifelten Suche nach belastbaren Informationen sind. Die dreimonatige Grenzschließung im Frühjahr hat ihre Spuren hinterlassen, die Angst davor, dass sich die Situation wiederholen könnte, ist groß – das drückt sich auch in den Anfragen bei INFOBEST aus. Die kruden Geschichten, mit denen die Stadtverwaltung konfrontiert wird, gipfeln in der Falschinformation, wonach Einreisende aus Grand Est, die bei stichprobenartigen Kontrollen von der Polizei überprüft würden, in Quarantäne geschickt würden und einen Corona-Test machen müssten.

Lange Schlangen bildeten sich auch vor den Tabakgeschäften.zoom

In der Kehler Innenstadt, in Einzelhandelsgeschäften und an Tankstellen herrscht derweil Ausnahmezustand: Zahllose Einwohnerinnen und Einwohner aus dem Großraum Straßburg versuchen sich mit allem einzudecken, was sie fürchten, in den nächsten Wochen nicht mehr kaufen zu können. Der Andrang ist so groß, dass Ladenbetreiber Schilder in die Tür hängen, um mitzuteilen, dass sie sich auch morgen und an den nächsten Tagen noch über französische Kundschaft freuen und Fotos davon sogar an französische Medien schicken. Weil Großeinkäufe angesagt sind, kommt der überwiegende Teil der Kundinnen und Kunden mit dem Auto; die Tramzüge auf der Linie D sind gut mit Fahrgästen gefüllt; die Zahl der Passagiere bleibt jedoch im üblichen Rahmen, wie die Straßburger Verkehrsbetriebe (CTS) gegenüber der Stadt Kehl berichten. Den ungewöhnlich starken Autoverkehr und die Staus melden jedoch auch einige Tramfahrer in die Zentrale.

In den Kehler Drogeriemärkten herrscht am Donnerstag ebenfalls großer Andrang.zoom

15.10.2020

 

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