Ein warmer Schlafplatz für Menschen ohne Obdach – OB Vetrano: Das ist Stadtentwicklung

Drei Übernachtungsgäste von Dienstag auf Mittwoch, neun von Mittwoch auf Donnerstag: Dass es in Kehl nun warme Schlafplätze für Menschen ohne Obdach gibt, hat sich offenbar erfreulich rasch herumgesprochen. Am Donnerstagnachmittag (18. November) wurde der neue Kälteschutz offiziell eingeweiht. Möglich gemacht haben das Angebot mehrere Spenderinnen und Spender: allen voran die Firma Algeco, die fünf mit je drei Betten eingerichtete Container zur Verfügung stellt, aber auch die Sparkasse, die Volksbank und die Lotte-und-Dieter-Klumpp-Stiftung, die jeweils 2000 Euro zu den laufenden Betriebskosten beitragen. Oberbürgermeister Toni Vetrano zeigte sich begeistert von dem Projekt, das am Mittwoch (17. November) auch einhellige Zustimmung im Gemeinderat gefunden hatte: „Das ist Stadtentwicklung mit dem Ziel, die soziale Balance zu erhalten.“

"Ganz einfach, ganz schlicht, ganz wirksam":  So beschreibt OB Toni Vetrano den neuen Kälteschutz für Menschen ohne Obdach.zoom

Drei Schlafplätze auf schlichten Stahlrohrbetten mit Matratzen gibt es in jedem der fünf Container, dazu einen abschließbaren Stahlschrank, in dem Putzutensilien aufbewahrt werden. Wer in einem der beheizten Container übernachten möchte, muss sich entweder im Bereich Sozialwesen bei Elvira Tiganele (e.tiganele@stadt-kehl.de), Telefon 07851 88-2501, oder im Café Kanne anmelden. Vergeben werden die Schlafplätze bis maximal 16 Uhr. Die Übernachtungsgäste müssen zum einen die Benutzungsordnung unterschreiben, zum anderen das Corona-Konzept. Außerdem ist ein Corona-Schnelltest obligatorisch. Die Männer und Frauen, die in einem der Container schlafen, verpflichten sich außerdem, sich zu melden, falls bei ihnen zu einem späteren Zeitpunkt Corona-Symptome auftreten, erklärt Christine Lux, Leiterin des Bereichs Sozialwesen bei der Stadt und Hauptorganisatorin des Kälteschutzes. Für Männer und Frauen gibt es getrennte Container. Sozialverträgliche Hunde dürfen mit übernachten.
Morgens müssen die Container gesäubert und wieder verlassen; alle Habseligkeiten müssen die Nutzerinnen und Nutzer auch dann wieder mitnehmen, wenn sie dort für eine weitere Nacht einen Schlafplatz reserviert haben. Auf diese Weise, sagt Christine Lux, „wollen wir die Menschen auch etwas erziehen, damit sie sich an die Regeln halten“. Für ToiToi-Toiletten hat die Firma Algeco ebenfalls gesorgt, Waschgelegenheiten gibt es am Containerstandort nicht – die Körperpflege oder das Wäschewaschen können die Menschen ohne festen Wohnsitz im Café Kanne im Gemeindehaus der Sankt-Johannes-Nepomuk-Kirche erledigen. Dort bekommen sie auch etwas zu essen.
Bislang gab es in Kehl keine Schlafplätze für Obdachlose, die nicht in eine Unterkunft ziehen wollten. Menschen ohne Schlafgelegenheit mussten an kalten Winterabenden nach Offenburg geschickt werden. Doch selbst wenn sie das Fahrgeld bekommen haben, „war die Fahrt für viele ein unüberwindliches Hindernis“, machte OB Vetrano deutlich: „Viele dieser Menschen leiden unter psychischen Krankheiten, wollen ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen. Für sie ist es eine bedrohliche Situation, in die Bahn oder den Bus steigen zu müssen; es macht ihnen Angst, in eine ihnen fremde Stadt zu fahren.“

An der Realisierung des Kälteschutzes beteiligt waren und sind (von links nach rechts): Ute Feibicke-Vogt (Mitarbeiterin im Kälteschutz), Marco Feit (Mitglied des Vorstandes der Volksbank Bühl), Murielle Arenz (Assistentin der Geschäftsführung Algeco GmbH), Joachim Wetter (Regionalleiter Algeco), Thomas Steinfurth (Polizeirevier Kehl), Corina Scheer (Regionaldirektorin Volksbank Bühl), Hartmut Stephan (Leiter Marketing Sparkasse Hanauerland), Patrik Hauns (Fachbereichsleiter Bildung, Soziales und Kultur bei der Stadt Kehl), Christine Lux (Leiterin des Bereichs Sozialwesen bei der Stadt Kehl), Helmut Oesterle (Lotte-und-Dieter-Klumpp-Stiftung), Elvira Tiganele (Bereich Sozialwesen), Oberbürgermeister Toni Vetrano und Erster Beigeordneter Thomas Wuttke.zoom

Die Container seien „ganz einfach, ganz schlicht und ganz wirksam“, um obdachlose Menschen vor dem Kältetod zu bewahren, sagte Toni Vetrano und dankte den Spendern „im Namen der Menschen, die bei uns keine Stimme haben, die oft als störend wahrgenommen werden. Sie eignen sich kaum als Werbeträger, umso höher schätze ich Ihr Engagement“, wandte er sich an diejenigen, welche die Einrichtung des Kälteschutzes durch ihre Beiträge ermöglicht haben.
„Wir freuen uns, dass wir unterstützen, dass wir helfen können“, erklärte Joachim Wetter, Regionalleiter von Algeco. Das Unternehmen mit Sitz in Kehl verfüge an 15 Standorten in Deutschland über eine Mietcontainerflotte von 50 000 Modulen, „fünf davon stehen hier“. Für die Klumpp-Stiftung, die Sparkasse Hanauerland und die Volksbank Bühl bekräftigten Helmut Oesterle, Hartmut Stephan und Marco Feit, dass sie sofort bereit gewesen sein, dazu beizutragen, „dass niemand in der Kälte auf der Straße schlafen muss“.
Betreut werden die Container hauptsächlich von Ute Feibicke-Vogt; Elvira Tiganele übernimmt ebenfalls Schließdienste.

18.11.2021

 

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